Cross-Laminated-Timber (CLT), auf Deutsch Brettsperrholz, setzt sich zunehmend im mehrgeschossigen Wohnungsbau durch. Die vorgefertigten Holzelemente verkürzen die Bauzeit gegenüber konventionellen Massivbauweisen um bis zu 50 Prozent. Für Architekten, Bauträger und Generalunternehmer ergeben sich daraus neue Planungsansätze – aber auch Fragen zu Brandschutz, Schallschutz und Vergütung.
Vorfertigung beschleunigt Rohbau erheblich
CLT-Elemente werden im Werk millimetergenau zugeschnitten und inklusive Aussparungen für Fenster, Türen und Installationen angeliefert. Auf der Baustelle erfolgt nur noch die Montage. Ein Wohngeschoss mit etwa 400 Quadratmetern Nutzfläche lässt sich so in zwei bis drei Tagen errichten. Klassische Massivbauweisen benötigen für denselben Bauabschnitt eine bis zwei Wochen. Die Zeitersparnis reduziert die Baustellengemeinkosten und verkürzt die Finanzierungsphase für Bauträger spürbar.
Die hohe Vorfertigung erfordert allerdings eine präzise Grundriss-Planung und detaillierte Werkstattzeichnungen bereits in frühen Leistungsphasen. Änderungen während der Bauphase sind kaum möglich oder verursachen erhebliche Mehrkosten. Planer müssen ihre Workflows anpassen und frühzeitig mit Holzbauingenieuren kooperieren.
Brandschutz: Klassifizierung und Systemlösungen
Mehrgeschossige Holzbauten erreichen in Deutschland die Gebäudeklassen 4 und 5, sofern brandschutztechnische Anforderungen erfüllt sind. CLT-Elemente werden dafür mit nicht brennbaren Bekleidungen versehen – etwa mit Gipsfaserplatten oder mineralischen Putzsystemen. Hersteller wie Knauf und Saint-Gobain bieten geprüfte Systemlösungen, die Feuerwiderstandsklassen bis F90 erreichen.
Die Verkleidung erhöht das Flächengewicht der Wände und Decken. Architekten müssen dies bereits bei der Dimensionierung des Tragwerks berücksichtigen. Zudem ist eine sorgfältige Detailplanung an Bauteilanschlüssen erforderlich, um Brandschutznachweise zu erbringen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) forscht derzeit an Standarddetails und vereinfachten Nachweisverfahren für Holzbaukonstruktionen.
Bauphysik: Schall- und Feuchteschutz
Brettsperrholz ist leichter als Beton oder Mauerwerk. Die geringere Masse erschwert den Trittschallschutz. Abhilfe schaffen schwimmende Estriche mit elastischen Dämmlagen oder separate Installationsebenen, die Körperschallbrücken vermeiden. Die Geschossdecke wird dadurch dicker – Architekten sollten mit Aufbauhöhen von mindestens 35 Zentimetern kalkulieren.
Der Feuchteschutz verlangt konsequente Planung der Anschlüsse und Abdichtungen. CLT reagiert empfindlich auf dauerhaft erhöhte Holzfeuchte. Insbesondere bei erdberührenden Bauteilen oder in Nasszellen sind wasserführende Schichten unverzichtbar. Hersteller wie Sto SE (sto.de) bieten spezielle Abdichtungssysteme für Holzbaukonstruktionen an.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
CLT bindet während der Wachstumsphase des Holzes CO₂ und weist in Ökobilanzen deutlich geringere Treibhausgasemissionen auf als Beton oder Stahl. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet Holzbauweisen positiv in ihren Zertifizierungssystemen. Mit der Toolbox Zirkuläres Bauen stellt die DGNB zudem Methoden zur Bewertung der Kreislauffähigkeit von Holzkonstruktionen bereit.
Rückbaubarkeit und Wiederverwertung sind bei CLT grundsätzlich gegeben, sofern Verbindungen mechanisch und lösbar ausgeführt werden. Verklebte oder verschraubte Beplankungen erschweren die sortenreine Trennung. Architekten sollten daher bereits in der Entwurfsphase reversible Fügetechniken prüfen. Das Thema Kreislaufwirtschaft im Hochbau gewinnt auch bei Holzbauweisen an Relevanz.
Honorar: Mehraufwand in frühen Leistungsphasen
Die detaillierte Vorfertigung verschiebt Planungsaufwände in die Leistungsphasen 2 bis 5 der HOAI. Werkstattzeichnungen und Koordination mit Holzbauunternehmen erfordern zusätzliche Ingenieurleistungen. Bauherren und Architekten sollten Honorarvereinbarungen entsprechend anpassen, da der Mehraufwand durch Standard-Honorarsätze nicht immer abgedeckt ist.
Zugleich entfallen Aufwände in der Bauüberwachung, weil die Montage standardisiert abläuft und weniger Abstimmungsbedarf auf der Baustelle besteht. Eine faire Honorarvereinbarung berücksichtigt beide Aspekte.
Marktentwicklung und Ausblick
Mehrere deutsche Großstädte, darunter Hamburg und München, fördern Holzbau im Geschosswohnungsbau aktiv durch vereinfachte Genehmigungsverfahren und Pilotprojekte. Das BBSR unterstützt Forschungsprogramme zum nachhaltigen Bauen und untersucht kostengünstiges Bauen mit Holzwerkstoffen. Die steigende Nachfrage nach klimaschonenden Bauweisen und kurzen Bauzeiten dürfte CLT-Konstruktionen weiter etablieren.
Für Architekten bedeutet das: Wer sich frühzeitig mit Holzbau-Know-how ausstattet und digitale Planungswerkzeuge einsetzt, erschließt sich einen wachsenden Marktsegment. Weiterbildung in Brandschutz, Bauphysik und Holzbau-Detailplanung wird zum Wettbewerbsvorteil. Themen wie BIM und Klimawissen in der Architektenausbildung zeigen, dass Hochschulen bereits reagieren.
Brettsperrholz ist kein Nischenprodukt mehr. Die Kombination aus Zeitersparnis, geringem CO₂-Fußabdruck und industrieller Fertigung macht CLT zu einer ernstzunehmenden Alternative im urbanen Geschosswohnungsbau. Voraussetzung ist allerdings eine durchdachte Planung von der ersten Skizze an.