RIB Software hat eine neue Version seiner Tiefbau-Software RIB Civil veröffentlicht. Das Update richtet sich an Planer und Ingenieure, die an Infrastruktur- und Bauprojekten arbeiten. Konkrete technische Details zu den Neuerungen des Releases liegen bislang nicht vor – die Ankündigung bleibt auf hohem Abstraktionsniveau. Für Anwender stellt sich die Frage, welche Funktionen tatsächlich erweitert wurden und wie sich die Software im Wettbewerbsumfeld positioniert.

RIB Civil: Fokus auf Infrastruktur und Tiefbau

RIB Civil ist eine spezialisierte Planungssoftware für den Tiefbau. Sie deckt die Bereiche Straßenbau, Kanal- und Leitungsbau, Geländemodellierung sowie die Planung von Verkehrsanlagen ab. Die Lösung wird vor allem von Ingenieurbüros und ausführenden Unternehmen im Infrastrukturbereich eingesetzt. Sie konkurriert mit etablierten Civil-Engineering-Tools wie Autodesk Civil 3D, Bentley OpenRoads oder Trimble Business Center.

Seit der Übernahme durch Schneider Electric im Jahr 2021 gehört RIB Software zum Portfolio eines globalen Energie- und Automatisierungskonzerns. Die Integration in die Schneider-Electric-Welt soll laut Unternehmensaussagen die Verzahnung von Planungssoftware mit Gebäude- und Infrastrukturmanagement verstärken. Ob sich diese strategische Neuausrichtung in der aktuellen Release-Version niederschlägt, bleibt offen.

Was ist neu – und was fehlt in der Kommunikation?

Die Ankündigung der neuen RIB-Civil-Version bleibt vage. Weder Versionsnummer noch Funktionsliste oder technische Spezifikationen werden genannt. Für Anwender, die vor einer Investitionsentscheidung stehen oder ein Upgrade planen, fehlen damit zentrale Informationen. Typische Fragen bleiben unbeantwortet: Wurden Schnittstellen zu BIM-Plattformen verbessert? Gibt es erweiterte Funktionen für die Geländemodellierung oder den Mengenabzug? Werden neue Formate wie IFC oder LandXML besser unterstützt?

In einem Marktumfeld, in dem Hersteller wie Autodesk oder die Nemetschek Group regelmäßig detaillierte Release Notes und Video-Tutorials veröffentlichen, fällt die zurückhaltende Kommunikation auf. Gerade für kleinere Ingenieurbüros, die auf transparente Informationen angewiesen sind, um Softwareentscheidungen zu treffen, ist das ein Nachteil.

Marktposition: Wo steht RIB Civil im Wettbewerb?

Im Segment der Tiefbau-Software dominieren international einige wenige Anbieter. Autodesk Civil 3D gilt als Marktführer, vor allem in Nordamerika und Westeuropa. Bentley Systems ist stark in der Infrastrukturplanung großer Anlagen und im Asset-Management verankert. Trimble punktet mit der Integration von Vermessungs- und Baustellentechnik. RIB Civil hingegen hat seine Stärken traditionell im deutschsprachigen Raum und in der Integration mit der hauseigenen iTWO-Plattform für Kalkulation und Bauprojektmanagement.

Die Verzahnung von Planung und Kalkulation kann für ausführende Unternehmen ein Vorteil sein, wenn beide Welten nahtlos ineinandergreifen. Allerdings setzt das voraus, dass die Softwareumgebung durchgängig genutzt wird – ein Szenario, das in der heterogenen Baubranche selten vorkommt. Viele Planer arbeiten mit offenen BIM-Standards und wechseln zwischen verschiedenen Werkzeugen je nach Projektphase.

BIM-Konformität und Datenaustausch als Entscheidungskriterium

Die Fähigkeit einer Tiefbau-Software, saubere IFC-Modelle zu exportieren und mit anderen Fachplanern Daten auszutauschen, ist heute zentral. Öffentliche Auftraggeber in der Schweiz, Deutschland und Österreich fordern bei Infrastrukturprojekten zunehmend BIM-Modelle und offene Formate. Wer hier nicht mithalten kann, verliert Ausschreibungen.

Unklar ist, ob die neue RIB-Civil-Version hier Verbesserungen bringt. Die Schnittstellenqualität zu anderen Planungstools – etwa für Tragwerksplanung oder Gebäudetechnik – entscheidet oft über die Akzeptanz im Projektalltag. Ebenso relevant: die Anbindung an cloudbasierte Kollaborationsplattformen, auf denen mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiten.

Preismodell und Zielgruppe

RIB Software verfolgt traditionell ein Lizenzmodell mit jährlichen Wartungsverträgen. Autodesk und Bentley sind dagegen längst auf Abonnement-Modelle umgestiegen, oft kombiniert mit Cloud-Services. Für kleinere Büros kann das zur Kostenfalle werden, wenn die monatlichen Gebühren laufend anfallen. Andererseits ermöglichen Abo-Modelle flexibleres Scaling – Lizenzen können je nach Auftragslage auf- oder abgestockt werden.

Ob RIB mit der neuen Version auch das Lizenzmodell anpasst oder neue Preisstrukturen einführt, ist nicht bekannt. Gerade im Vergleich zu Wettbewerbern wie Allplan Nemetschek, die verstärkt auf hybride Modelle setzen, wäre das ein relevanter Faktor für Anwender.

Ausblick: Was Anwender jetzt tun sollten

Wer RIB Civil bereits im Einsatz hat, sollte direkt beim Hersteller nachfragen, welche konkreten Funktionen das neue Release bietet und ob ein Upgrade sinnvoll ist. Neue Interessenten sollten Testversionen anfordern und die Software im eigenen Workflow prüfen – insbesondere im Hinblick auf Datenaustausch, Performance bei großen Geländemodellen und Integration in bestehende Toolketten.

Im BIM-Kontext lohnt der Vergleich mit Alternativen. Ein interdisziplinäres Großprojekt stellt andere Anforderungen als ein kleineres Straßenbauprojekt. Die Wahl der richtigen Software hängt stark vom Projekttypus, der Teamgröße und den Anforderungen der Auftraggeber ab.

Die neue Version von RIB Civil mag technisch Fortschritte bringen – ohne transparente Kommunikation bleiben Anwender jedoch im Unklaren. In einem Markt, in dem Entscheidungen auf Basis konkreter Funktionen und messbarer Vorteile getroffen werden, ist das ein Nachteil, den der Hersteller rasch ausgleichen sollte.

Quellen