Der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel verschiebt seinen Fokus von klassischen Einzelleuchten hin zu vernetzten Beleuchtungssystemen. In einem Interview mit cash.at erklärt Manager Linden die strategische Neuausrichtung vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Energieeffizienz und digitale Gebäudesteuerung.

Die Digitalisierung verändert die Lichtbranche fundamental. Intelligente Lichtsteuerungen kommunizieren heute mit Heizungs-, Lüftungs- und Sicherheitssystemen über einheitliche Protokolle. Zumtobel reagiert auf diese Entwicklung mit Produkten, die sich nahtlos in BIM-basierte Planungsprozesse integrieren lassen. Die Kompatibilität mit Plattformen wie jenen von Autodesk oder der Nemetschek Group wird dabei zum Wettbewerbsfaktor.

Nachhaltigkeit bildet den zweiten Schwerpunkt der Unternehmensstrategie. Der Druck auf Hersteller wächst, nicht nur energiesparende Leuchtmittel zu liefern, sondern den gesamten Produktlebenszyklus CO₂-neutral zu gestalten. Linden verweist auf die Bedeutung recycelbarer Materialien und lokaler Lieferketten – ein Ansatz, den auch Baustoffhersteller wie Wienerberger oder Knauf verfolgen. Die Kreislaufwirtschaft im Hochbau erfordert von Zulieferern zunehmend modulare, rückbaubare Komponenten.

Für Architekten und Lichtplaner entstehen neue Anforderungen. Die Lichtplanung verschmilzt mit der technischen Gebäudeausrüstung zu einem integrierten Gewerk. Funktionen wie Präsenzerkennung, Tageslichtsteuerung oder Farbtemperaturanpassung werden zum Standard, besonders in Büro- und Gewerbeprojekten. Die Schnittstelle zwischen Fassadenplanung und Innenraumbeleuchtung gewinnt an Bedeutung, wenn natürliches und künstliches Licht dynamisch aufeinander abgestimmt werden.

Die Auswirkungen auf die Bauplanung sind konkret: Elektroplaner müssen Datenverkabelung und Stromversorgung neu dimensionieren. Facility-Manager benötigen Zugang zu Wartungs- und Verbrauchsdaten über Cloud-Plattformen. Investitionsentscheidungen verschieben sich von der reinen Anschaffungskosten-Betrachtung hin zu Total-Cost-of-Ownership-Analysen über 15 bis 20 Jahre Betriebsdauer.

Zumtobel positioniert sich mit dieser Ausrichtung im Wettbewerb gegen internationale Konzerne, die ebenfalls auf smarte Gebäudetechnik setzen. Die Verbindung von Lichttechnik mit Sensordaten eröffnet neue Geschäftsmodelle – von Licht-as-a-Service bis zur Raumnutzungsanalyse für Bestandsimmobilien. Für Planer bedeutet das: Die Auswahl von Beleuchtungssystemen wird zur strategischen Entscheidung mit Auswirkungen auf Gebäudezertifizierungen nach DGNB oder LEED.