Die Berner Fachhochschule (BFH) hat ihre Forschungsaktivitäten im Bereich Architektur, Holz und Bau neu strukturiert oder präsentiert ihre Forschungsbereiche verstärkt nach außen. Für Planer, Holzbauunternehmen und Baustoffhersteller bietet die Neuaufstellung einen Einblick in anwendungsnahe Forschung, die direkt in die Praxis der Branche einfließt. Die Hochschule bündelt Projekte zu Tragwerk, Fassade, nachhaltigen Baustoffen und digitalen Planungsmethoden.
Forschungsschwerpunkte: Holzbau, Kreislaufwirtschaft und BIM
Im Zentrum der Forschungsaktivitäten stehen Themen, die aktuell die gesamte Baubranche bewegen. Die BFH fokussiert sich auf Holzbau-Konstruktionen, die zunehmend im Geschossbau zum Einsatz kommen. Dabei geht es um Tragwerksoptimierung, Brandschutzlösungen und hybride Bauweisen, bei denen Holz mit mineralischen Baustoffen wie Sichtbeton kombiniert wird. Diese Projekte sind für Architekten relevant, die im urbanen Raum nachhaltige Alternativen zu konventionellen Massivbauweisen suchen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kreislaufwirtschaft im Hochbau. Die Forschenden entwickeln Konzepte für rückbaubare Gebäude, bei denen Bauelemente demontiert und wiederverwendet werden können. Dazu gehören Curtain Wall-Systeme und modulare Fassadenkonstruktionen, die sich ohne Materialverlust trennen lassen. Solche Ansätze gewinnen an Bedeutung, da ab 2030 in mehreren EU-Ländern strengere Vorgaben zur Wiederverwertung von Baumaterialien erwartet werden.
Digitale Planungsmethoden und BIM-Integration
Die Forschung zu digitalen Planungsmethoden konzentriert sich auf Building Information Modeling (BIM) und dessen Integration in die Projektabläufe kleinerer Architekturbüros. Die BFH untersucht, wie Fachhochschulen und Praxispartner gemeinsam Standards für BIM-Modelle entwickeln können, die auch ohne große IT-Abteilungen umsetzbar sind. Das ist besonders für KMU im Planungsbereich interessant, die zwar BIM einsetzen möchten, aber vor hohen Einstiegshürden stehen.
Parallel dazu arbeitet das Institut an der KI-gestützten Gebäudeplanung. Algorithmen sollen Entwurfsiteration und Normenprüfung beschleunigen, indem sie automatisch Varianten generieren und auf Einhaltung energetischer Vorgaben prüfen. Softwareanbieter wie Autodesk und die Nemetschek Group kooperieren mit Hochschulen, um solche Tools praxistauglich zu machen. Die BFH liefert in diesem Kontext Anwendungsfälle aus realen Bauprojekten.
Baustoffforschung: Ökobilanzen und regionale Materialien
Ein dritter Forschungsbereich befasst sich mit Baustoffen und deren Ökobilanz. Die BFH untersucht regionale Holzarten und mineralische Baustoffe auf ihre Eignung für den Einsatz in energieeffizienten Gebäuden. Dabei werden Lebenszyklusanalysen erstellt, die Herstellung, Transport, Nutzungsphase und Entsorgung berücksichtigen. Solche Daten sind für Architekten und Baustoffhersteller wichtig, die bei Ausschreibungen Nachhaltigkeitszertifikate wie DGNB oder Minergie vorweisen müssen.
In Kooperation mit Herstellern wie Holcim (holcim.com) und Wienerberger (wienerberger.com) testet die Hochschule neue Betonmischungen mit reduziertem Klinkeranteil und Ziegel mit verbesserter Wärmedämmung. Diese Entwicklungen zielen darauf ab, den CO₂-Fußabdruck von Neubauten zu senken, ohne die Konstruktionskosten signifikant zu erhöhen.
Praxispartnerschaften: Wer profitiert von der Forschung?
Die BFH arbeitet regelmäßig mit Bauunternehmen, Planungsbüros und öffentlichen Bauherren zusammen. Zu den Partnern zählen Schweizer Generalunternehmer wie Implenia (implenia.com), die Forschungsergebnisse direkt in laufende Projekte einfließen lassen. Solche Kooperationen ermöglichen es, prototypische Lösungen unter realen Bedingungen zu testen – etwa bei der Sanierung von Wohnbauten aus den 1970er-Jahren oder beim Neubau öffentlicher Gebäude.
Auch für kleinere Holzbaubetriebe sind die Forschungsergebnisse relevant. Die BFH bietet Dienstleistungen an, bei denen Unternehmen Zugang zu Prüfständen und Simulationssoftware erhalten. Auf diese Weise können sie neue Verbindungstechniken oder Dämmsysteme testen, ohne selbst in teure Laborausstattung investieren zu müssen. Das senkt die Innovationsschwelle für KMU und beschleunigt die Markteinführung neuer Produkte.
Drittmittel und Förderprogramme: Woher stammt die Finanzierung?
Die Finanzierung der Forschung erfolgt über öffentliche Förderprogramme und private Drittmittel. Die BFH bezieht Mittel aus dem Schweizer Nationalen Forschungsprogramm (NFP) sowie aus europäischen Programmen wie Horizon Europe. Hinzu kommen Industriepartnerschaften, bei denen Unternehmen gezielt Forschungsaufträge vergeben, um spezifische technische Fragestellungen zu klären.
Für die Branche bedeutet das: Wer Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen sucht, kann über Kooperationen mit der BFH direkt profitieren. Das gilt insbesondere für Themen wie serielle Sanierung im Bestand, wo vorgefertigte Fassadenelemente und Haustechnikmodule entwickelt werden, die sich in kurzer Bauzeit montieren lassen.
Bedeutung für die Schweizer Baubranche
Die Neuausrichtung der Forschungsaktivitäten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Schweizer Baubranche vor strukturellen Herausforderungen steht. Steigende Anforderungen an Energieeffizienz, knappe Fachkräfte und Druck auf Baukosten erfordern innovative Lösungen. Fachhochschulen wie die BFH fungieren dabei als Brücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung. Ihre Projekte liefern praxistaugliche Ergebnisse, die sich schneller umsetzen lassen als reine Universitätsforschung.
Besonders im Holzbau sieht die Hochschule Potenzial. Die Schweiz verfügt über eine ausgeprägte Holzwirtschaft und kurze Transportwege für heimische Holzarten. Forschungsprojekte, die den Einsatz von Schweizer Fichte oder Tanne im Geschossbau optimieren, stärken die regionale Wertschöpfung und reduzieren Importabhängigkeiten. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv für Bauherren, die regionale Lieferketten bevorzugen.
Ausblick: Welche Themen kommen als nächstes?
Die BFH deutet an, dass zukünftig auch adaptive Gebäudehüllen und sensorgestützte Baukonstruktionen stärker in den Fokus rücken. Dabei geht es um Fassaden, die auf Wetterbedingungen reagieren, oder Tragwerke, die durch eingebaute Sensoren kontinuierlich überwacht werden. Solche Ansätze sind für den Betrieb großer Gewerbeimmobilien interessant, da sie Wartungskosten senken und die Lebensdauer von Bauteilen verlängern.
Für Architekten und Planer lohnt sich der Blick auf die Forschungsaktivitäten der BFH, um frühzeitig neue Entwicklungen zu erkennen und in eigene Projekte zu integrieren. Wer etwa an einem Bundesbau-Projekt mit BIM-Anforderungen arbeitet, findet in den Forschungsergebnissen konkrete Hilfestellungen für die Modellierung und Datenaustauschformate.