Auf der BAU 2025 in München stellte Sika Deutschland im Januar eine Neuausrichtung vor, die über kosmetische Änderungen weit hinausgeht. Unter dem Motto "One Sika" bündelt der Hersteller von Baustoffen und Abdichtungssystemen seine Marken, Vertriebsstrukturen und Produktlinien zu einer integrierten Konzernidentität. Der Schritt markiert das Ende einer Ära fragmentierter Einzelmarken, die historisch oft aus Zukäufen stammten und parallel am Markt agierten.

Vom Marken-Portfolio zur Einheitsidentität

Sika hatte in der Vergangenheit mehrere Akquisitionen vollzogen – darunter bekannte Marken im Bereich Abdichtung, Betonzusatzmittel und Fassadenschutz. Diese traten häufig unter eigenem Namen auf, mit eigenen Vertriebskanälen und teilweise überlappenden Produktkatalogen. Für Planer und ausführende Betriebe bedeutete das: unterschiedliche Ansprechpartner, getrennte Bestellwege und keine einheitliche technische Dokumentation. Die "One Sika"-Strategie zielt darauf ab, diese Fragmentierung aufzulösen und sämtliche Produkte unter einer gemeinsamen Marke und einem einheitlichen digitalen Zugang zu bündeln.

Konkret plant Sika Deutschland, bisherige Sub-Brands schrittweise in die Hauptmarke zu integrieren. Das betrifft vor allem Produktlinien für Abdichtung, Beton-Reparatur und Bodenbeschichtungen. Der Messeauftritt auf der BAU 2025 nutzte bereits die neue visuelle Identität: einheitliche Farbgebung, gemeinsamer Markenauftritt und ein zentraler Informationsstand statt getrennter Marken-Inseln.

Vertrieb und Kundenbetreuung: Zentrale Anlaufstelle statt Marken-Silos

Ein wesentlicher Baustein der Transformation ist die Vereinheitlichung der Vertriebsstruktur. Statt für jede Produktlinie einen eigenen Außendienst zu unterhalten, setzt Sika Deutschland künftig auf cross-funktionale Vertriebsteams, die das gesamte Portfolio abdecken. Für Architekten und Fachplaner bedeutet das: ein Ansprechpartner für Abdichtungssysteme, Betonsanierung und Beschichtungen – von der Ausschreibung bis zur Baustellenbegleitung.

Parallel dazu will das Unternehmen seine digitalen Kanäle ausbauen. Eine zentrale Plattform soll künftig Produktdatenblätter, BIM-Objekte und Ausschreibungstexte bereitstellen. Bislang waren diese Informationen über verschiedene Websites und Marken-Portale verstreut. Die Integration dieser Datenquellen ist besonders für BIM-basierte Planungsprozesse relevant, wo durchgängige Produktinformationen und digitale Zwillinge zunehmend Standard werden. Ein Link zur Plattform BIM & Digital zeigt, wie wichtig diese Entwicklung für die Branche ist.

Auswirkungen auf das Produktportfolio

Die Strategie hat nicht nur organisatorische, sondern auch produktseitige Konsequenzen. Sika Deutschland prüft derzeit, ob bestimmte Produktlinien konsolidiert oder neu positioniert werden können. Ziel ist es, Dopplungen im Portfolio zu vermeiden und Synergien zwischen bisher getrennt entwickelten Systemen zu heben. Beispielsweise könnten Abdichtungssysteme für Fassaden und Bodenbeschichtungen, die bislang unter verschiedenen Marken liefen, künftig in abgestimmten System-Paketen angeboten werden.

Für die Planungspraxis bedeutet das potenziell schlankere Ausschreibungen, wenn aufeinander abgestimmte Produkte eines Anbieters zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sinkt das Risiko von Schnittstellenproblemen, etwa bei der Kombination von Abdichtung und Beschichtung im Sockelbereich oder an Übergängen zwischen Fassade und Tragwerk.

Marktposition: Einheitlicher Auftritt gegen spezialisierte Wettbewerber

Mit der Konsolidierung strebt Sika Deutschland eine klarere Positionierung gegenüber Wettbewerbern an. Während Spezialanbieter wie Sto SE oder Saint-Gobain in Einzelsegmenten stark aufgestellt sind, will Sika als Vollsortimenter punkten – mit dem Versprechen, dass alle Systemkomponenten aus einer Hand kommen und aufeinander abgestimmt sind.

Ob diese Strategie aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die technische und organisatorische Integration gelingt. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Marken-Konsolidierungen in der Baubranche oft Jahre dauern und nur erfolgreich sind, wenn parallel in Schulungen, technische Beratung und digitale Tools investiert wird. Sika Deutschland hat auf der BAU 2025 angekündigt, in den kommenden zwei Jahren verstärkt in Weiterbildung und Vertriebstraining zu investieren, um die neuen Strukturen zu verankern.

Praktische Relevanz für Architekten und Planer

Für Planungsbüros und ausführende Betriebe ergeben sich aus der "One Sika"-Strategie mehrere konkrete Veränderungen. Erstens: Angebote und technische Beratung kommen künftig aus einer Hand, was Abstimmungsaufwand reduziert. Zweitens: Die digitale Produktdokumentation wird zentral gebündelt, was BIM-Workflows erleichtert. Drittens: Systemlösungen, die mehrere Produktlinien kombinieren, werden einfacher verfügbar.

Ein praktisches Beispiel: Bei der Sanierung eines Altbaus mit neuer Abdichtung, Betonsanierung und Bodenbeschichtung müssen Planer bislang oft drei verschiedene Ansprechpartner und Datenquellen koordinieren. Künftig soll ein einziger Sika-Vertriebskontakt alle Komponenten liefern und technisch abstimmen können. Das reduziert Schnittstellenrisiken und beschleunigt Freigabeprozesse.

Wer sich für weitere Entwicklungen im Bereich Produktinnovation bei Sika interessiert, findet ergänzende Informationen im Artikel Sika Deutschland: Neues Primer-Harz gegen Weißschleier bei Epoxidböden.

Zeitplan und nächste Schritte

Die Umsetzung der Transformation läuft bereits. Sika Deutschland hat angekündigt, bis Ende 2026 die wichtigsten organisatorischen Anpassungen abzuschließen. Dazu gehört die vollständige Migration der digitalen Plattformen, die Schulung der Vertriebsteams und die Neugestaltung der Produktkataloge. Kunden und Partner werden schrittweise informiert, welche Marken künftig unter dem "One Sika"-Dach firmieren und welche Ansprechpartner sich ändern.

Parallel dazu prüft das Unternehmen, ob weitere Akquisitionen im In- und Ausland in die neue Struktur integriert werden können. Sika hatte in den vergangenen Jahren mehrfach kleinere Spezialisten übernommen, um sein Portfolio zu erweitern. Diese Zukäufe sollen künftig von Anfang an in die einheitliche Marken- und Vertriebsstruktur eingebunden werden, statt als separate Einheiten weiterzulaufen.

Fazit: Transformation mit offenem Ausgang

Die "One Sika"-Strategie ist ein ambitioniertes Vorhaben, das weit über einen neuen Messeauftritt hinausgeht. Ob die Konsolidierung von Marken, Vertrieb und Portfolio die erhoffte Effizienzsteigerung und Marktpositionierung bringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Für Planer und ausführende Betriebe bietet die Strategie klare Vorteile – vorausgesetzt, die angekündigten digitalen Tools und Schulungsmaßnahmen werden tatsächlich umgesetzt. Der Messeauftritt auf der BAU 2025 hat gezeigt, dass Sika Deutschland den Wandel ernst nimmt. Jetzt kommt es auf die operative Umsetzung an.

Quellen