Die Berner Fachhochschule (BFH) hat ihre Forschungs- und Dienstleistungsaktivitäten im Departement Architektur, Holz und Bau gebündelt. Anders als klassische universitäre Institute setzt die Hochschule auf praxisnahe Projekte, die direkt an den Bedürfnissen der Bauindustrie ansetzen. Welche konkreten Forschungsfelder bearbeitet die BFH, und wie fließen die Ergebnisse in die tägliche Planungs- und Baupraxis ein?
Drei Forschungsbereiche: Von der Konstruktion bis zum Prozess
Die BFH gliedert ihre Forschung in drei zentrale Bereiche. Der erste Schwerpunkt liegt auf Holz und Holzkonstruktionen. Hier arbeiten Ingenieure und Forscher an Themen wie Tragwerken aus Holz, neuen Verbindungstechniken und der Vorfertigung von Bauteilen. Das Institut für Holzbau und Holztechnologie entwickelt beispielsweise Lösungen für mehrgeschossige Holzbauten, die zunehmend auch im urbanen Kontext gefragt sind.
Der zweite Bereich umfasst Architektur und Baukultur. Forscher untersuchen unter anderem energetische Sanierung von Bestandsgebäuden, klimagerechte Entwurfsstrategien und Fragen der Baukultur im alpinen Raum. Ein Fokus liegt auf Fassaden-Systemen, die Ästhetik, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit verbinden. Solche Projekte sind besonders für Architekten relevant, die sich mit der seriellen Sanierung im Bestand auseinandersetzen.
Der dritte Forschungsbereich deckt Baumanagement und digitale Prozesse ab. Hier stehen Building Information Modeling (BIM), Lean Construction und digitale Planungswerkzeuge im Mittelpunkt. Die Hochschule entwickelt Methoden, die helfen, Bauprozesse zu beschleunigen, Kosten zu senken und die Zusammenarbeit zwischen Planern, Bauherren und ausführenden Firmen zu verbessern. Solche Ansätze sind auch für Unternehmen wie Implenia interessant, die große Infrastruktur- und Hochbauprojekte realisieren.
Anwendungsorientierung: Forschung für die Praxis
Die BFH betont die Anwendungsorientierung ihrer Projekte. Viele Forschungsvorhaben entstehen in Kooperation mit regionalen Baufirmen, Planungsbüros und Baustoffherstellern. Ein Beispiel sind Entwicklungen im Bereich vorgefertigter Holzbaumodule, die auf Schweizer Baustellen zum Einsatz kommen. Solche Module reduzieren die Bauzeit und senken die Fehlerquote auf der Baustelle, da große Teile der Konstruktion bereits unter kontrollierten Bedingungen im Werk gefertigt werden.
Auch im Bereich der energetischen Sanierung arbeitet die Hochschule praxisnah. Forscher entwickeln Konzepte für die Modernisierung von Nachkriegsbauten, die in vielen Schweizer Städten den Gebäudebestand prägen. Dabei geht es um Dämmstrategien, die Bauphysik, Brandschutz und Denkmalschutzauflagen berücksichtigen. Wer sich mit dem Fokus auf nachhaltiges Bauen auseinandersetzt, findet hier direkt umsetzbare Ansätze.
Wer profitiert von der Forschung?
Die Zielgruppen der BFH-Forschung sind vielfältig. Architektur- und Ingenieurbüros nutzen die Erkenntnisse für die Planung anspruchsvoller Projekte. Bauunternehmen setzen neue Konstruktionsmethoden und digitale Prozesse ein, um effizienter zu arbeiten. Baustoffhersteller profitieren von Material- und Produktentwicklungen, die an der Hochschule getestet und validiert werden.
Auch öffentliche Auftraggeber und Kommunen greifen auf die Expertise der BFH zurück, etwa wenn es um energetische Sanierung öffentlicher Gebäude oder um nachhaltige Stadtentwicklung geht. Die Hochschule betreibt zudem eine eigene Versuchshalle, in der Tragwerke und Bauteile unter realistischen Bedingungen geprüft werden. Diese Infrastruktur ist ein Vorteil für Projektpartner, die prototypische Lösungen testen wollen, bevor sie in die Serienproduktion gehen.
Digitalisierung und BIM als Forschungsschwerpunkt
Ein weiterer Schwerpunkt der BFH liegt auf der Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen. Die Hochschule entwickelt BIM-basierte Workflows, die Architekten, Fachplaner und Bauleiter in gemeinsamen Datenmodellen zusammenführen. Ziel ist es, Informationsverluste zu vermeiden und die Qualität über alle Projektphasen hinweg zu sichern.
Die Forschung richtet sich dabei auch an kleinere Büros, die oft vor der Herausforderung stehen, BIM mit begrenzten Ressourcen einzuführen. Die BFH erarbeitet schlanke Implementierungsstrategien und bietet Schulungen an, die auf die Bedürfnisse von Schweizer KMU zugeschnitten sind. Wer den Einstieg in digitale Planungsmethoden sucht, findet hier praxistaugliche Unterstützung.
Holzbau als strategisches Feld
Der Holzbau nimmt in der Forschungsagenda der BFH eine zentrale Rolle ein. Die Hochschule untersucht nicht nur statische und bauphysikalische Aspekte, sondern auch die Wertschöpfungskette vom Wald bis zur fertigen Konstruktion. Projekte befassen sich mit der Digitalisierung von Abbund und Vorfertigung, mit neuen Holzwerkstoffen und mit der Wiederverwendung von Bauholz im Sinne der Kreislaufwirtschaft im Hochbau.
Für Planungsbüros und Bauherren, die mehrgeschossige Holzbauten realisieren wollen, bietet die BFH Beratung und Machbarkeitsstudien. Die Hochschule verfügt über Labore für Holzprüfung und über Erfahrung in der brandschutztechnischen Bewertung von Holzkonstruktionen – Themen, die bei der Genehmigung komplexer Projekte oft entscheidend sind.
Forschung mit regionaler Verankerung
Die BFH ist fest in der Schweizer Baulandschaft verankert. Viele Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern, was den Wissenstransfer beschleunigt. Die Hochschule arbeitet beispielsweise mit Schweizer Holzbauunternehmen und Planungsbüros zusammen, die innovative Konzepte für Wohn- und Gewerbeprojekte suchen.
Die Nähe zur Praxis zeigt sich auch in der Lehre: Studierende der BFH arbeiten an realen Projekten mit und bringen Forschungserkenntnisse direkt in die Baupraxis ein. Diese Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis ist ein Alleinstellungsmerkmal der Fachhochschule. Wer mehr über das Architektur-Studium an der BFH erfahren will, findet dort weitere Einblicke in die Ausrichtung der Hochschule.
Ausblick: Was bringt die Zukunft?
Die BFH baut ihre Forschungskapazitäten kontinuierlich aus. Geplant sind unter anderem Projekte zu adaptiven Fassadensystemen, die auf Wetterbedingungen reagieren, und zu modularen Sanierungslösungen für Bestandsgebäude. Auch die Verknüpfung von BIM mit künstlicher Intelligenz steht auf der Agenda. Solche Entwicklungen könnten in wenigen Jahren die Planungspraxis verändern und Büros neue Werkzeuge für die KI-gestützte Gebäudeplanung an die Hand geben.
Für Unternehmen und Planer, die an Kooperationen interessiert sind, bietet die BFH verschiedene Einstiegsmöglichkeiten – von gemeinsamen Forschungsprojekten über Auftragsforschung bis hin zu Weiterbildungen. Die Hochschule versteht sich als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Praxis und setzt auf langfristige Partnerschaften, die beiden Seiten konkreten Nutzen bringen.